GRÜNE im Adenauer Land: kleine Rückhaltebecken und Anstauungen in Wäldern
Adenau. Wasser möglichst lange dort halten, wo es fällt: Mit diesem vergleichsweise einfachen Ansatz wollen die GRÜNEN im Adenauer Land Wälder besser gegen Trockenheit wappnen und zugleich den schnellen Abfluss bei Starkregen bremsen. Als Vorbild verweisen sie auf Maßnahmen aus Bitburg. Dort werde mit kleinen Rückhaltebecken und einfachen Anstauungen gearbeitet. Teilweise genügten nach Angaben der GRÜNEN bereits wenige Bretter, um den Abfluss zu verlangsamen. Das Wasser bekomme dadurch mehr Zeit, in den Waldboden einzusickern. Die Partei hält solche Maßnahmen für kostengünstig und vergleichsweise schnell umsetzbar.
Alte Gräben, neue Probleme
Für das Adenauer Land sehen die GRÜNEN besonderen Handlungsbedarf. Über Jahrzehnte sei Wasser über Gräben möglichst schnell aus den Wäldern abgeleitet worden. Unter anderem, damit Fichten nicht auf zu nassen Böden stehen. Inzwischen seien viele Fichten abgestorben, die Entwässerungsstrukturen aber geblieben. Nach Einschätzung der GRÜNEN führt dies dazu, dass Niederschläge weiterhin zu schnell in Richtung Ahr abfließen. Als Folgen nennen sie trockene Hänge, geschwächte Wälder und Erosionsgefahr. Bei Starkregen könne der schnelle Abfluss zudem die Gewässer belasten. Die Idee lautet deshalb: Nicht allein auf große Hochwasserschutzprojekte setzen, sondern Wasser bereits in den Wäldern zurückhalten – dezentral und möglichst nah am Ort des Niederschlags.
Kleine Maßnahmen statt langer Vorlaufzeiten
Die GRÜNEN schlagen vor, bereits im kommenden Herbst und Winter mit einfachen Rückhalteelementen aus lokal verfügbarem Material zu beginnen. Dörfer, Waldbesitzer und Landesforsten könnten dabei nach ihrer Vorstellung zusammenarbeiten. Der Vorschlag berührt damit eine Frage, die den Kreis Ahrweiler seit der Flutkatastrophe von 2021 intensiv beschäftigt: Wie lässt sich Hochwasserschutz über Orts- und Gemeindegrenzen hinweg organisieren?
Dazu ist der Gewässerzweckverbandes Landkreis Ahrweiler gegründet worden. ahr.de hatte bereits im November 2025 über diese Gründung berichtet. Der Kreistag hatte seinerzeit dem Beitritt einstimmig zugestimmt. Der Verband soll Hochwasserschutz und Gewässerunterhaltung gemeinsam angehen und neben größeren Rückhaltebecken auch kleinere Maßnahmen in den Gemeinden koordinieren. Den früheren ahr.de-Bericht „Zweckverband schützt Kreis“ gibt es hier.
Der aktuelle Vorstoß aus dem Adenauer Land setzt noch früher im Wasserkreislauf an: im Wald. Ob und in welchem Umfang die in Bitburg eingesetzten Methoden auf die Wälder rund um Adenau übertragbar sind, müsste vor Ort fachlich geprüft werden. Die Grundidee allerdings ist denkbar einfach: Wasser, das im Wald bleibt und versickert, fließt nicht sofort talabwärts. Aus einem früher möglichst schnell entwässerten Wald könnte so wieder stärker ein natürlicher Wasserspeicher werden.
