Bisher wurden erst rund 20 Prozent der benötigten Fördergelder ausgegeben
Von Thomas Weber
Dernau. Die Stimmung an der Mittelahr ist nicht die beste. Den Menschen geht der Wiederaufbau nicht schnell genug voran. Überall eingerichtete Baustellen und Sperrungen machen die Anwohner müde, die Touristiker kommen mit immer neuen Forderungen zur Durchsetzung ihrer Projekte und auch die, die den Wiederaufbau vorantreiben, scheinen genervt. So kam es zumindest am Donnerstag beim Infomarkt der Verbandsgemeinde Altenahr zum Wiederaufbau rüber. Dabei gab es in Dernau vielfältige Informationen von der großen Menge der beteiligten Stellen, Ämter oder Behörden. Wer sich für den Ist-Zustand, das bereits Geschaffene und die Planungen interessierte, war hier genau richtig.

Auch, wenn es um Hintergrundinformationen ging. An einem Dutzend Ständen waren Ansprechpartner zu finden, da ging es um Straßen und Brücken, um Hoch- und Tiefbau, um Schulen und Kindergärten. Abwasserfragen standen angesichts der großen Zerstörung der Infrastruktur zur Debatte, aber auch Vorsorgemaßnahmen im Hinblick auf künftige Ereignisse. Auch die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler informierte über ihren Status Quo der Flutfolgenmaßnahmen, ebenso taten dies Vertreter des Kreises, die unter anderem auch über die Gewässerherstellung informierten. Es gab Informationen zu allen kommunalen Themen aus erster Hand, dazu Einschätzungen über Zeiten, wohlwissend, dass vieles zeitlich kaum vorhersagbar ist. Denn es sind auch viele Stellen voneinander abhängig. Und da bedarf es einer guten Planung, wobei die Themen einer jeden einzelnen Behörden zu beachten sind. Der in der Verbandsgemeinde Altenahr mit der Organisation und Umsetzung des Wiederaufbaues betraute Frank Heuser machte die umfassende Thematik an einem Beispiel fest.
Warum der Wiederaufbau so viel Zeit braucht
Der Verbandsgemeinde ist derzeit der Wiederaufbau gemeindlicher Straßen ein wichtiges Thema. Das macht am ehesten Sinn, wenn die Infrastruktur unter der Straße komplett mit bedacht wird. Hier liegen oftmals Wasserleitungen, Abwasserkanäle, Strom- und Kommunikationsleitungen, hier fließt Energie und vieles mehr. Alle Anbieter sind also unter einen Hut zu bekommen, damit die Straße nicht immer wieder aufgerissen werden muss. „Aber das Abwasserwerk hat ein ganz anderes Thema oben auf der Prioritätenliste, nämlich die Stilllegung der temporären Kläranlagen in den Ortschaften und die Wieder-Anbindung an die Kläranlagen in Sinzig und Adenau“, sagt Heuser und betonte die Wichtigkeit dieser Maßnahmen, schon aus Umweltgründen. Die Personalkapazitäten lassen eine parallele Durchführung der Maßnahmen mit hoher Priorität kaum zu.
Erst 20 Prozent der Fördergelder ausgegeben
Verbandsbürgermeister Dominik Gieler sprach einmal mehr vom Wiederaufbau als Mammutprojekt, dass eine große Herausforderung für die Verbandsgemeinde bedeutete. Bei den meist sehr komplexen Maßnahmen sei vieles voneinander abhängig. Immerhin mache der Wiederaufbau in diesem Jahr enorme Fortschritte, zahlreiche Projekte seien gestartet. Aber von beantragten 1,3 Milliarden Euro für 810 Maßnahmen seien erst 241 Millionen Euro ausgegeben. Das sind erst rund 20 Prozent. „Da wissen Sie, was noch vor uns liegt“, so Gieler zu den anwesenden Besuchern, darunter auch der Landtagsabgeordnete Guido Orthen. War 2025 ein Jahr der Spatenstiche, so sollte das laufende Jahr eines der Einweihungen sein, betonte Gieler. Man komme Schritt für Schritt voran.
Planungsfehler verzögert Brücke in Hönningen
Aber es läuft nicht alles glatt. Die für den 7. Oktober geplante Einweihung der Brücke „vor Kiehren“ in Hönningen muss verschoben werden, weil das Auflager 26 Zentimeter zu kurz ist. Ein Planungsfehler, der nun erst einmal behoben werden muss. Derweil läuft im Altenahrer Rathaus die Ölsanierung, erste Wände konnten schon ausgetauscht werden. Die Sanierer sind hier ein ganzes Jahr tätig, was von den Menschen vor der Tür kaum wahrgenommen wird. Aktuell wartet die Verwaltung gespannt auf ein neues Gutachten, ob die Ölsanierung greift. Ob das Rathaus schadstofffrei zu bekommen ist, ist noch nicht gewährleistet.
