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Weg der Erinnerung bleibt

Vier Jahre ehrenamtliche Arbeit, Tausende Fotos, Zeitzeugenberichte und Erinnerungen aus den von der Flut betroffenen Orten: Mit einer Abschlussveranstaltung in Marienthal hat die Bürgerinitiative MemoriAHR, an der Spitze Annette Holzapfel, am Samstag, 5. September, einen Schlusspunkt unter ihr Gedenkprojekt gesetzt. Zu den Gästen gehörten auch Ministerpräsident Gordon Schnieder, Landrätin Cornelia Weigand und der jetzige Landtagsabgeordnete Guido Orthen.
MemoriAHR - Aus persönlichen Erinnerungen, Fotos und Zeitzeugenberichten ist ein außergewöhnliches Projekt entstanden. In Marienthal wurde jetzt der Abschluss von MemoriAHR begangen. Ministerpräsident Gordon Schnieder fand dafür die richtigen Worte.

MemoriAHR

Marienthal. Vier Jahre ehrenamtliche Arbeit, Tausende Fotos, Zeitzeugenberichte und Erinnerungen aus den von der Flut betroffenen Orten: Mit einer Abschlussveranstaltung in Marienthal hat die Bürgerinitiative MemoriAHR am Samstag, 5. September, einen wichtigen Schlusspunkt unter ihr Gedenkprojekt gesetzt. Zu den Gästen gehörten auch Ministerpräsident Gordon Schnieder und Landrätin Cornelia Weigand. Im Mittelpunkt standen der Stelenweg, die virtuelle Ausstellung und die Wanderausstellung. Und vor allem die Menschen, deren Erfahrungen mit der Flutkatastrophe vom Juli 2021 bewahrt werden sollen.

Erinnerung dort, wo die Katastrophe geschah

Der „Weg der Erinnerung für die Zukunft“ führt von der Ahrquelle in Blankenheim bis zur Mündung der Ahr in den Rhein bei Sinzig. Die Stelen stehen in den von der Flut betroffenen Orten. Sie dokumentieren mit jeweils vier Informationstafeln die Katastrophe vom 14. und 15. Juli 2021, die Bewältigung der Krise, die große Solidarität nach der Flut sowie den Wiederaufbau. Die erste Stele war im Oktober 2024 in Müsch aufgestellt worden. Zum Abschluss des Projekts kam nun die Stele in Marienthal hinzu. Noch ist der Weg allerdings nicht vollständig: Wegen des langwierigen Wiederaufbaus konnten einzelne Stelen bislang nicht aufgestellt werden. Initiiert wurde MemoriAHR von der Remagener Ethnologin Annette Holzapfel. Eine 31-köpfige Bürgerinitiative entwickelte und gestaltete das Projekt. Mehr als 70 ehrenamtliche Unterstützer wirkten an den Texten mit, rund 1000 Fotos wurden zusammengetragen. Entwurfsplanung und Gestaltung der Stelen stammen von Andreas Schmickler. Entstanden ist damit keine distanzierte Rückschau von außen. Die Dokumentation wurde wesentlich von Menschen erarbeitet, die selbst in den betroffenen Orten leben. Ihre Erinnerungen, Bilder und Erfahrungen bilden den Kern des Projekts.

Gordon Schnieder: „Erinnern bedeutet Verantwortung“

Ministerpräsident Gordon Schnieder würdigte in Marienthal insbesondere diesen Ansatz. MemoriAHR bewahre die persönlichen Erfahrungen der Zeitzeuginnen und Zeitzeugen und mache sie über den Stelenweg und die virtuelle Ausstellung dauerhaft zugänglich. „Erinnern bedeutet Verantwortung“, sagte Schnieder. Es gehe darum, Erfahrungen zu bewahren, die Verstorbenen im Andenken lebendig zu halten und daraus für die Zukunft zu lernen. Zugleich dankte der Ministerpräsident den vielen ehrenamtlichen Helfern sowie den Angehörigen des Brand- und Katastrophenschutzes und der Hilfsorganisationen für ihren Einsatz und den Zusammenhalt nach der Flut.

Gedenken an 135 Tote

Die Abschlussveranstaltung war deshalb nicht nur Rückblick auf ein gelungenes Projekt. Sie erinnerte zugleich an die Dimension der Katastrophe. 135 Menschen verloren an der Ahr ihr Leben. Auch Holzapfel stellte dieses Gedenken ausdrücklich in den Mittelpunkt. Das Leid der Angehörigen sei bis heute kaum zu ermessen, sagte sie. Gerade darin liegt der besondere Anspruch von MemoriAHR: Die Flut soll nicht zu einer abstrakten historischen Zahl werden. Hinter ihr stehen Menschen, Familien, persönliche Schicksale und Erfahrungen.

Die massiven Stelen sollen diese Erinnerung langfristig in den Orten verankern. Holzapfel beschrieb im Rahmen eines früheren Interview mit dem SWR den Unterschied zu einer klassischen Dokumentation: Ein Buch könne man lesen und wieder weglegen. Die Stelen dagegen blieben vor Ort und könnten auch künftig gemeinsam mit Kindern und Enkeln besucht werden.

Zeitzeugen erzählen ihre Geschichte

Über QR-Codes an den Stelen führt MemoriAHR zugleich in die digitale Welt. Dort finden sich unter anderem Fotos, weiterführende Informationen und Zeitzeugeninterviews. Die virtuelle Ausstellung „MemoriAhr – Die Flutkatastrophe im Ahrtal 2021 – Erinnerungen für die Zukunft“ entstand auf Initiative von Dr. Kai-Michael Sprenger und wurde vom rheinland-pfälzischen Kulturministerium finanziert. Die Zeitzeugeninterviews drehte Filmemacher Utz Kastenholz.  Eine weitere Säule ist die Wanderausstellung. Sie überträgt die Inhalte des Erinnerungsweges an andere Orte und soll die Erfahrungen der Betroffenen damit über den Kreis Ahrweiler hinaus sichtbar machen. So verbindet MemoriAHR drei Formen des Erinnerns: vor Ort an den Stelen, digital und als Wanderausstellung.

„Ein Weg der Erinnerung für die Zukunft“

Holzapfel nutzte den Abschluss in Marienthal auch, um den zahlreichen Beteiligten zu danken – den Mitgliedern der Bürgerinitiative und den Zeitzeugen ebenso wie Kommunen, Unterstützern, Einsatzkräften und Förderern. Dabei wurde zugleich deutlich, welche Dimension das ehrenamtliche Vorhaben angenommen hat. Was Ende 2021 als Idee begann, entwickelte sich über Jahre zu einer umfangreichen Dokumentation aus der Bevölkerung heraus. Auch der Wiederaufbau hat seine Spuren im Projekt hinterlassen. Ursprünglich sollten zur Abschlussveranstaltung sämtliche Stelen stehen. Das erwies sich als nicht möglich. Baustellen und andere Hindernisse verzögern einzelne Standorte. Das ändert jedoch nichts am Kern des Projektes. Die Stelen, die digitale Ausstellung und die Wanderausstellung bleiben. Nach Angaben des SWR soll sich die Bürgerinitiative nach Abschluss ihrer Arbeit wie von Beginn an vorgesehen auflösen.

Was sie geschaffen hat, bleibt sichtbar: ein Weg durch die betroffenen Orte – und zugleich ein Weg gegen das Vergessen.

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