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Das zweite Leben

Der Bahnhof Walporzheim feiert spektakuläres Richtfest im LVR-Freilichtmuseum Kommern. Das Kuriose: Er zeigt gleich drei Epochen der Geschichte gleichzeitig.
Ein Bahnhof ist ins LVR-Freilichtmuseum Kommern eingezogen. Das über 100 Jahre alte Bahnhofsgebäude aus Walporzheim an der Ahr hat dort eine neue Bleibe gefunden, weit abseits der ursprünglichen Strecke, der Ahrtalbahn. Dafür ist der Bahnhof gerettet.

Endstation Kommern – Neuanfang des Bahnhofs Walporzheim

Kommern/Walporzheim. Jüngst ist im LVR-Freilichtmuseum Kommern Richtfest gefeiert worden. Das über 100 Jahre alte Bahnhofsgebäude aus Walporzheim ist dorthin umgezogen und mit dem Richtfest ist der Umzug abgeschlossen. Das historisch interessante Gebäude hat in Kommern in der Eifel eine neue Bleibe gefunden. Weit abseits der ursprünglichen Strecke der Ahrtalbahn. Das Gebäude ist gerettet.

Ein Richtfest gegen das Vergessen

„Meine Damen und Herren, bitte treten Sie von der Bahnsteigkante zurück. Es geht gleich los.“ So eröffnete Anne Henk-Hollstein, die Vorsitzende der Landschaftsversammlung Rheinland, ihre Rede beim Richtfest. Bei hochsommerlichen Temperaturen drängten sich viele Gäste, die natürlich auch aus Walporzheim gekommen waren, auf dem „Marktplatz Rheinland“ im Freilichtmuseum. Sie alle wollten Zeuge werden, wie der historische Bahnhof in Kommern ein neues Kapitel aufschlägt.

In traditioneller Zimmermannskluft sprach Zimmermann Edgar „Eddy“ den Richtspruch.
In traditioneller Zimmermannskluft sprach Zimmermann Edgar „Eddy“ den Richtspruch.

Als Zimmermann Edgar „Eddy“ Lauterbach in Zimmermanskluft den Richtspruch sprach, blickte er auch zurück auf die Geschichte, erinnerte an die Flutkatastrophe 2021, trank auf das Wohl der Gäste und ließ schließlich sein Schnapsglas auf dem Boden zerschellen.

Vom Schrotthaufen zum Symbol der Resilienz

Dass dieser Bahnhof heute wieder steht, verdankt er einer Rettungsaktion, initiiert von Carsten Vorwig, Museumsleiter in Kommern. Er erinnert sich genau: „Es begann alles mit einem Anruf von Monika Lindener, der damaligen Fahrdienstleiterin in Walporzheim. Das historische Gebäude sollte abgerissen werden. Sofort war klar: Das ist eine einmalige Chance, ein Stück Identität des Ahrtals vor dem Abrissbagger zu retten.“ In enger Zusammenarbeit mit der Deutschen Bahn und dank des Einsatzes der Denkmalschützer wurde der Bahnhof Stein für Stein, Balken für Balken dokumentiert und abgetragen. Anne Henk-Hollstein würdigte das Projekt als ein „Zeichen des Wiederaufbaus und der Resilienz“. Der Bahnhof steht wie ein roter Faden der Geschichte da: Einst ein Ort der Ankunft und des Aufbruchs, wurde er durch die Flut zum Mahnmal und ist nun in Kommern ein Symbol für Hoffnung und den Willen zur Erneuerung.

Architektonische Zeitreise: Drei Epochen unter einem Dach

Das baukulturelle Konzept in Kommern ist so außergewöhnlich wie die Rettung selbst. Museumsleiter Carsten Vorwig und die Bauforscherin des Museums, Anne Karl, erklärten die wissenschaftliche Herausforderung: Der Bahnhof wird nicht in einem einzigen, starren Zustand rekonstruiert. Stattdessen zeigt er verschiedene Epochen seiner Existenz:

  1. Das Jahr 2023: Der zerstörte Zustand unmittelbar nach der Flut.
  2. Die 1950er-Jahre: Die goldene Ära der Wartehalle.
  3. Das Jahr 1910: Das historische Stellwerk aus der Erbauungszeit.

„Dieser Bahnhof erzählt nicht nur von einer Zeit, sondern gleich von mehreren“, betonte Vorwig. Selbst kleinste Details wurden gerettet und dokumentiert. So befinden sich im Inneren noch Original-Notizblöcke, Kugelschreiber und sogar die Kaffeetasse, die beim Verlassen des Bahnhofs auf dem Schreibtisch zurückgelassen wurden.

Der letzte Zug fährt im Kopf ab

Als besonderer Glücksfall gilt das historische Herzstück: der originale Fahrkartenautomat aus Walporzheim. Nach der Flut war das Gerät lange Zeit blockiert und gab kein Wechselgeld mehr heraus. Die Deutsche Bahn räumte den Automaten schließlich leer und schenkte ihn dem Museum. Ein Stück echter, greifbarer Verkehrsgeschichte, das nun in Kommern ein neues Zuhause gefunden hat. Für den Kreis Ahrweiler bleibt der Verlust des Bahnhofs an seinem alten Standort ein Einschnitt. Doch das Projekt historischer Bahnhof Walporzheim in Kommern zeigt, dass Baukultur unsterblich ist, wenn Menschen mit Leidenschaft sie schützen. Der Bahnhof Walporzheim hat seine Schienen verloren, aber seine Seele hat überlebt.

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