Alle andere als gewöhnlich: Dom-Kran kommt aus Reifferscheid
Reifferscheid/Köln. Ein Stück Kölner Geschichte kommt aus dem Kreis Ahrweiler: Die Zimmerei & Holzbau Torsten Klein aus Reifferscheid hat den historischen Dom-Kran nachgebaut. 15 Meter hoch, komplett aus Holz – und so konstruiert, dass der mächtige Kran zerlegt, transportiert und vor dem Kölner Dom wieder zusammengesetzt werden kann. Für Zimmerermeister Torsten Klein war es nach eigenen Worten der bislang außergewöhnlichste Auftrag. Vor allem die Dimensionen machten die Arbeit anspruchsvoll. Damit der Kran überhaupt nach Köln transportiert werden konnte, musste die Konstruktion in mehrere Teile zerlegt werden. Der Zimmerermeister Torsten Klein beschreibt das Prinzip sehr einfach: wie Lego. Jedes Bauteil bekam eine Nummer. In Köln wurden die Teile anschließend nach Plan wieder zusammengesetzt.
Hightech trifft altes Zimmererhandwerk
Dass die Zimmerei aus Reifferscheid einen solchen Auftrag stemmen kann, kommt nicht von ungefähr. Der Betrieb wurde nach eigenen Angaben am 1. April 2011 gegründet. Zimmerermeister Torsten Klein arbeitet seit mehr als 20 Jahren mit Holz. Heute gehören elf Mitarbeiter zum Team. In der Zimmerei trifft klassisches Zimmererhandwerk auf moderne Technik. In Reifferscheid arbeitet der Handwerksbetrieb unter anderem mit einer hochmodernen CNC-Abbundanlage, die unterschiedliche Holzarten millimetergenau zuschneiden kann. Das Leistungsspektrum reicht vom Abbund von Holzkonstruktionen über vorgefertigte Holzrahmenbauwände sowie Dach- und Deckenelemente bis zum Transport und Endmontage auf der Baustelle. Das sind also Kompetenzen, die bei einem Projekt wie dem Kölner Dom-Kran entscheidend sind: Ein 15 Meter hohes Holzbauwerk muss nicht nur entstehen. Es muss auch zerlegt, nach Köln gebracht und dort wieder passgenau zusammengesetzt werden können.
Warum der Auftrag nach Reifferscheid ging
Dass ausgerechnet der Betrieb aus Reifferscheid diesen außergewöhnlichen Auftrag erhielt, hatte mehrere Gründe. Nach Angaben von Klaus Eichhorst, Pressesprecher der Initiative „Im Lichte des Doms“, suchten die Verantwortlichen einen Betrieb mit der passenden Größe, dem notwendigen Equipment und der Möglichkeit, auch den Aufbau in Köln zu übernehmen. Hinzu kam ein persönlicher Kontakt: Ein in der Eifel lebendes Mitglied der Initiative kannte die Zimmerei bereits und schätzte deren Arbeit. Klaus Eichhorst zeigte sich gegenüber ahr.de mit der Ausführung der Arbeiten sehr zufrieden.
Ein Kran, der 500 Jahre Stadtgeschichte erzählt
Das historische Vorbild entstand vermutlich kurz nach 1360 beim Bau des Südturms des Kölner Doms. Mit dem Kran wurden schwere Steinquader und anderes Baumaterial in die Höhe gehoben. Als die Arbeiten am Südturm im 15. Jahrhundert zum Erliegen kamen, blieb er stehen. Aus einer mittelalterlichen Baumaschine wurde ein Wahrzeichen: Mehr als 500 Jahre gehörte die Holzkonstruktion zur Kölner Stadtsilhouette. Die heutige Nachbildung ist etwa halb so groß wie das historische Vorbild. Hinter dem Projekt steht die Initiative „Im Lichte des Doms“. Sie will damit an die handwerklichen und technischen Leistungen erinnern, die den Bau des Kölner Doms überhaupt ermöglichten. Zur Dreikönigswallfahrt, 23. bis 27. September 2026, stand der 15 Meter hohe Nachbau bereits auf dem Roncalliplatz. Dort feierten Zimmerleute Richtfest, anschließend segnete Domdechant Robert Kleine die Konstruktion. Doch der Einsatz des „Reifferscheider Holzriesen“ ist damit nicht beendet: Zum Weihnachtsmarkt am Kurienhaus soll der Dom-Kran erneut aufgebaut werden.
