
Junges Ensemble bringt außergewöhnliches Theater nach Antweiler
Antweiler. Was steuert unser Leben wirklich? Sind wir Herr unserer Entscheidungen oder doch nur das Ergebnis von Hormonen, Erfahrungen und biochemischen Prozessen? Genau diese Fragen stellt das Theaterstück „Der nackte Wahn“ von Autor Stefan Otto, das am 12. und 13. Juni in Gilligs Mühle in Antweiler aufgeführt wird. Dabei erwartet das Publikum kein schwer verdaulicher Philosophie-Abend, sondern ein Stück, das bewusst Gegensätze verbindet: ernst und komisch, tiefgründig und unterhaltsam, tragisch und grotesk. Im Mittelpunkt steht der Psychotherapeut Jonas. Beruflich versucht er täglich, Menschen zu helfen und ihre seelischen Konflikte zu verstehen. Doch ausgerechnet er selbst gerät zunehmend ins Wanken. Während er sich mit den Problemen seiner Patienten beschäftigt, beginnen die Grenzen zwischen professioneller Distanz und persönlicher Betroffenheit zu verschwimmen.
Wenn die Theorie auf das echte Leben trifft
Die großen Fragen der Menschheit sind schnell formuliert: Gibt es einen freien Willen? Wie viel Einfluss haben Gene, Hormone und Gehirnchemie? Welche Rolle spielen Zufall, Schicksal oder persönliche Verantwortung? Doch „Der nackte Wahn“ bleibt nicht bei theoretischen Gedankenspielen. Das Stück zeigt, wie sich diese Fragen im Alltag bemerkbar machen – dort, wo Krankheit, Verlust und zwischenmenschliche Krisen Menschen an ihre Grenzen bringen. Jonas bewegt sich dabei in einem komplexen Beziehungsnetz aus seinem Studienfreund Marcel, seiner Frau Andrea, seinem Vater und seiner Patientin Eva. Jeder von ihnen trägt eigene psychische Belastungen mit sich. Jeder kämpft mit den Herausforderungen des Lebens. Und jeder wirft ein neues Licht auf die zentrale Frage des Stücks: Wie frei ist der Mensch wirklich?
Ernstes Thema – mit überraschend viel Humor

Autor Stefan Otto beschäftigt sich seit seinem Biologiestudium intensiv mit den Zusammenhängen zwischen freiem Willen, Psyche, Hormonen und Medikamenten. Aus dieser langjährigen Auseinandersetzung entstand ein Theaterstück, das schwierige Themen nicht scheut, gleichzeitig aber bewusst Raum für Humor lässt. Genau darin liegt die besondere Stärke von „Der nackte Wahn“: Die Zuschauer werden nicht mit düsteren Botschaften allein gelassen. Stattdessen begegnen ihnen Figuren, die trotz aller Tragik menschlich bleiben – mit Schwächen, Widersprüchen und Momenten, die zum Lachen einladen.
Oder wie die Macher es selbst zusammenfassen: „Komisch. Tragisch. Verrückt.“
Aus der Theater-AG wird ein eigenes Ensemble
Besonders bemerkenswert ist die Entstehungsgeschichte des Projekts. Nachdem Schülerinnen und Schüler der MSS 13 nach dem Abitur nicht mehr an der Theater-AG des Erich-Klausener-Gymnasiums teilnehmen konnten, beschlossen mehrere ehemalige Mitglieder, ihren Weg auf der Bühne eigenständig fortzusetzen. Unter der organisatorischen Leitung von Vincent Seuter gründeten sie ein eigenes Ensemble und brachten die Inszenierung von „Der nackte Wahn“ außerhalb des schulischen Rahmens auf den Weg.
Zum Ensemble gehören:
- Vincent Seuter
- Nora Zacher
- Stefan Nett
- Finn Klapperich
- Sina Schäfer
Damit wird aus einem Schulprojekt ein bemerkenswertes Beispiel dafür, wie kulturelles Engagement junger Menschen auch nach dem Abitur weiterlebt.
Eine Frage bleibt offen
„Der nackte Wahn“ liefert keine einfachen Antworten. Das Stück lädt dazu ein, mitzudenken, mitzuleiden und mitzulachen. Am Ende bleibt die Entscheidung beim Publikum: Hat der Mensch sein Leben tatsächlich selbst in der Hand – oder spricht am Ende doch der Wahnsinn das letzte Wort?
