Gläubige feiern in Hain die Pferde- und Traktorensegnung
Hain. Wenn sich an Pfingstmontag Pferdehufe, Traktorenmotoren und Blasmusik zu einem ungewöhnlich harmonischen Klangteppich verbinden, dann ist in Hain wieder Zeit für eine der traditionsreichsten

Freiluftveranstaltungen weit über das Brohltal und den Kreis Ahrweiler hinaus: die Pferde- und Traktorensegnung an der St.-Wendelinus-Kapelle. Bei frühsommerlichem Wetter kamen auch in diesem Jahr zur 72. Auflage der Segnung mehrere hundert Gläubige, Reiterinnen und Reiter sowie Traktorfahrer und zahlreiche Besucher zusammen.
Prozession von Oberzissen nach Hain
Pünktlich um 10 Uhr setzte sich die Prozession von Oberzissen nach Hain in Bewegung. Rund 25 Pferde und etwa 50 Traktoren zogen hinauf zur Kapelle, wo unter freiem Himmel an der Wendelinus Kapelle die Heilige Messe gefeiert wurde. Zelebrant war Pater Jino Mathew CST. Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst vom Blasorchester Brohltal. Und auch die Kapelle war zu diesem Anlass sehr schön geschmückt. Die Pferdesegnung in Hain ist mehr als ein kirchlicher Brauch. Sie ist ein lebendiges Stück Heimatgeschichte. Die Bewohner der Region um die Olbrück lebten früher fast ausschließlich von der Landwirtschaft. Deshalb fiel die Wahl des Schutzpatrons einst auf den heiligen Wendelinus, den Patron der Hirten, Bauern und Felder.
Aus dem Saarland ins Brohltal

Dass die Tradition bis heute Bestand hat, ist einem Saarländer zu verdanken: Pfarrer Karl Scholtes. Der 1951 aus St. Wendel nach Oberzissen gekommene Geistliche brachte den Brauch der Pferdesegnung aus seiner saarländischen Heimat mit ins Brohltal. Seitdem ziehen Jahr für Jahr Reiter und Traktoren hinauf nach Hain, um den Segen für Mensch, Tier und Arbeit zu empfangen. Als Pferde in der Landwirtschaft seltener wurden, rückten Traktoren mit in die Prozession ein. Gleichzeitig entdeckten immer mehr Freizeitreiter die Veranstaltung für sich. So verbindet die Segnung heute bäuerliche Tradition mit moderner Freizeitkultur und schafft genau dadurch ihre besondere Atmosphäre.
Gemeinschaft und Verwurzelung
An diesem Pfingstmontag ging es in Hain nicht um Folklore für Postkartenmotive. Sondern um Gemeinschaft. Um Verwurzelung. Und vielleicht auch um die stille Sehnsucht nach Momenten, die nicht digital funktionieren müssen, um Menschen zu berühren.
