116 Kinder der Kita St. Laurentius in Ahrweiler schon wieder ohne Räume da
Bad Neuenahr-Ahrweiler. Fünf Jahre nach der Ahrflut steht die Kita St. Laurentius Ahrweiler erneut vor einer ungewissen Zukunft. Die Einrichtung, die bis zur Flutkatastrophe am 14. Juli 2021 im Lindenweg 6 untergebracht war, befindet sich seitdem in einer Übergangslösung im Kloster Calvarienberg. Was ursprünglich nur als Provisorium gedacht war, ist längst zur Dauerlösung geworden. Nun darf auch dieser Standort nicht mehr genutzt werden.
Nach einem Brandereignis am Abend des 29. Mai 2026 wurde der Kita-Betrieb zunächst nur noch im Notbetrieb aufrechterhalten. Nach Angaben des Elternausschusses hatte ein Rasenmäher Feuer gefangen. Der Brand griff anschließend auf die Heizungsanlage des Klosters über. In der Folge kam es zu einer erheblichen Rauchbelastung. Der Rauch sei über unterirdische Verrohrungen sowie durch Luftverwirbelungen während des Feuerwehreinsatzes in Bereiche des Gebäudekomplexes gelangt, in dem auch die Kita untergebracht war.

Eine spätere Bewertung durch Feuerwehr, Brandschutzdienststelle und Untere Bauaufsichtsbehörde bestätigte die Tragweite der Situation: Der Gebäudekomplex des Klosters Calvarienberg sei durch ein unterirdisches, undurchsichtiges Leitungssystem verbunden. In der Brandnacht sei es dadurch zu einer extremen Rauchausbreitung gekommen. Da nicht ausgeschlossen werden könne, dass sich Rauchgase. insbesondere auch nicht erkennbare Gase wie Kohlenstoffmonoxid, unbemerkt ausbreiten, sei eine sichere Nutzung der Einrichtung derzeit nicht gegeben. Die Nutzung der Kita sei deshalb einzustellen. Als rechtliche Grundlage wurde ein Verstoß gegen § 15 Abs. 1 Landesbauordnung benannt.
Zum 2. Juli 2026 musste der Betrieb im Kloster Calvarienberg eingestellt werden. Für die Eltern ist das ein Schock und zugleich der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die aus ihrer Sicht seit Jahren zu langsam vorankommt.
„Unsere Kinder brauchen nicht irgendwann eine Lösung, sondern jetzt. Viele Familien stehen ohne verlässliche Betreuung da. Nach fünf Jahren Provisorium darf es nicht sein, dass Kinder und Eltern erneut ohne Perspektive bleiben“, sagt Miriam Radermacher, Vorsitzende des Elternausschusses der Kita St. Laurentius Ahrweiler, stellvertretend für den gesamten Elternausschuss.
Aktuell besuchen nach Angaben des Elternausschusses 116 Kinder die Kita St. Laurentius. Davon wechseln nach den Sommerferien 30 Vorschulkinder in die Schule. Zugleich werden neue Kinder eingewöhnt, so dass der Betreuungsbedarf weiterhin hoch bleibt. In den vergangenen rund viereinhalb Wochen konnten laut Elternausschuss nur die Hälfte der Kinder im Notbetrieb betreut werden. Also rund die Hälfte der Kinder. Untergebracht wurden sie vorübergehend in verschiedenen katholischen Einrichtungen entlang der Ahr, zwischen Heimersheim und Mayschoß. Betreut wurden sie dabei von Erzieherinnen und Erziehern aus der Stammkita St. Laurentius.
Für die Vorschulkinder wurde zusätzlich eine Notgruppe eingerichtet, die zwei Wochen lang die Grundschule besuchen durfte. Dies bewertet der Elternausschuss ausdrücklich positiv.
„Wir sind sehr dankbar für alles, was die Kindergartenleiterin Anja Braun und das gesamte Team in dieser Situation leisten“, betont Miriam Radermacher. „Die Erzieherinnen und Erzieher haben schon nach der Flut unter schwierigsten Bedingungen weitergearbeitet. Jetzt stehen sie erneut vor einer enormen Belastung. Unsere Kritik richtet sich ausdrücklich nicht gegen die Leitung oder das Team der Kita. Im Gegenteil: Ohne ihren Einsatz und die hervorragende Zusammenarbeit der katholischen Kitas wäre diese Übergangszeit für die Kinder und Familien kaum zu bewältigen.“
Die Belastung für Familien bleibt dennoch erheblich. Eltern mussten ihre Kinder in unterschiedliche Einrichtungen bringen, teils mit deutlich längeren Wegen. Kinder, für die Stabilität und Routinen so wichtig sind, mussten sich aus einer Behelfssituation in eine Notsituation begeben. Die Betreuung war auf echte Notfälle beschränkt. Eine verlässliche Perspektive für die Zeit nach den Sommerferien 2026 gibt es nach Angaben des Elternausschusses derzeit nicht.
Bereits im März hatte sich der Elternausschuss mit einem Schreiben an die Verantwortlichen gewandt. Darin wurde auf die seit Jahren ungeklärte Situation der Kita St. Laurentius hingewiesen. Gefordert wurden unter anderem eine transparente Darstellung des Planungsstandes, eine nachvollziehbare Erklärung zum Widerspruch gegen die Baugenehmigung, ein realistischer und verbindlicher Zeitplan sowie Klarheit über künftige Betreuungsplätze und die Zukunft der Mitarbeitenden.
Hintergrund ist der weiterhin ausstehende Wiederaufbau der Kita am bisherigen Standort im Lindenweg. Nach Angaben des Bistums Trier wurde der Bauantrag am 4. September 2024 bei der Kreisverwaltung eingereicht. Die Bewilligung wurde am 5. Dezember 2025 erteilt, der Widerspruch am 18. Dezember 2025 eingelegt. Der Widerspruch bezieht sich unter anderem auf statische Fragen, Photovoltaik auf der Dachfläche, Türhöhen, Durchgangsbreiten und Aspekte der Barrierefreiheit.
Ein belastbarer Zeitplan könne laut Bistum erst erstellt werden, wenn der Widerspruch beim Kreisrechtsausschuss behandelt worden sei. Im März hieß es zudem, es liege an der Übersendung der Bauakte von der Baugenehmigungsbehörde an den Kreisrechtsausschuss.
Für den Elternausschuss ist damit weiterhin unklar, wann das Verfahren abgeschlossen wird und wann tatsächlich mit dem Wiederaufbau begonnen werden kann.
Auch die Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler verweist auf offene Zuständigkeiten. Zwar bestehe inzwischen eine Beschlusslage zur Übernahme der Bauträgerschaft durch die Stadt. Ein unmittelbares Tätigwerden sei jedoch erst möglich, sobald die Bauträgerschaft offiziell vom Bistum Trier beziehungsweise der kirchlichen Seite auf die Stadt übergangen sei. Nach den vorliegenden Informationen ist ein Übergang der Bauträgerschaft erst nach Abschluss des Wiederaufbaus vorgesehen. Die Betriebsträgerschaft soll weiterhin bei der Katholischen Kita gGmbH Koblenz verbleiben.
Für die Eltern ist diese Lage kaum noch nachvollziehbar. Nach der Flut war die Unterbringung im Kloster Calvarienberg als Übergangslösung gedacht. Öffentlich war damals von einem Zeitraum von etwa anderthalb bis zwei Jahren die Rede. Inzwischen sind fünf Jahre vergangen. Nach Angaben des Elternausschusses wurde bei einem Termin im April 2026 ein möglicher Spatenstich Anfang 2027 in Aussicht gestellt. Bei einer anschließenden Bauzeit von anderthalb bis zwei Jahren wäre ein Wiedereinzug in den Lindenweg frühestens Ende 2028 realistisch.
„Wir wissen, dass Wiederaufbau, Brandschutz, Zuständigkeiten und Vergabeverfahren komplex sind“, sagt Radermacher. „Aber wir können nicht akzeptieren, dass unsere Kinder am Ende diejenigen sind, die die Folgen tragen. Sie brauchen sichere Räume, verlässliche Bezugspersonen, stabile Gruppen und endlich wieder Alltag.“
Der Elternausschuss fordert deshalb eine schnelle, transparente und verbindliche Lösung für die Zeit nach den Sommerferien. Dabei gehe es nicht um Schuldzuweisungen an die Kita-Leitung oder das pädagogische Team, sondern um die Verantwortung der zuständigen Stellen, jetzt handlungsfähig zu werden.
„Unsere Kinder haben die Flut nicht verursacht, sie haben die Verzögerungen nicht verursacht, und sie dürfen jetzt nicht diejenigen sein, die die Folgen tragen“, so Radermacher. „Wir appellieren an Träger, Stadt, Kreis, Bistum und alle beteiligten Behörden: Bitte handeln Sie jetzt gemeinsam, pragmatisch und mit höchster Priorität. Nach fünf Jahren darf die Antwort nicht wieder nur lauten, dass Zuständigkeiten noch ungeklärt sind.“
Miriam Radermacher: “Auch fordern wir die führenden Politiker, vor allem der Landespolitik auf, den kleinsten und schwächsten Gliedern der Gesellschaft Gehör zu verschaffen und sich für eine schnelle Lösung einzusetzen.”
