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Mehr als ein Durstlöscher

Biersommelier Günter Paul (r.) mit einem Kollegen beim gemeinsamen Verkosten.
Ahrbrück. Es beginnt, wie viele gute Geschichten beginnen: mit einem Geschenk. Vor knapp zehn Jahren bekam Günter Paul aus Ahrbrück von seiner Frau einen Braukurs geschenkt.

Vom Braukurs zum Charakterbier: Günter Paul denkt Bier neu

Ahrbrück. Es beginnt, wie viele gute Geschichten beginnen: mit einem Geschenk. Vor knapp zehn Jahren bekam Günter Paul aus Ahrbrück von seiner Frau einen Braukurs geschenkt. Kein großes Ereignis, nur ein Impuls. Doch dieser Impuls lässt ihn seither nicht mehr los. Seitdem ist Brauen nicht nur sein Hobby, sondern ein stetiger Lernprozess, der ihn begleitet.

Entscheidend ist jedoch das Machen

Zuvor war Bier für ihn kein besonderes Thema. Zwar probierte er auf Reisen regionale Sorten, doch die enorme Vielfalt der Braukunst erschloss sich ihm erst später. Genau diese Vielfalt wurde zum Antrieb. „Man lernt Brauen nicht aus Büchern“, sagt er und präzisiert: „Lesen, Foren, Austausch. All das hilft.

Eine kleine Schrotmühle gehört natürlich zur Brau-Ausstattung.
Eine kleine Schrotmühle gehört natürlich zur Brau-Ausstattung.

Entscheidend ist jedoch das Machen: brauen, verkosten, optimieren. Immer wieder.“ Besonders reizvoll für ihn: Das Zusammenspiel von Technik, Handwerk und Kreativität. Malz, Hopfen und Hefe sind aber nur ein Teil der Gleichung: „Eine oft unterschätzte Rolle spielt das Wasser, besonders in Regionen mit hartem Leitungswasser.“ Er musste lange tüfteln, bis seine Biere die Qualität erreicht hatten, die er selbst erwartet.

Ein saarländisches Gemeinschaftsprojekt

Anfangs hat er mit festen Rezepten gearbeitet. Heute entwickelt der gebürtige Saarländer sie selbst. Besonders stolz ist er auf ein Gemeinschaftsprojekt mit anderen saarländischen Hobbybrauern: ein „Bière de Sarre“, dunkel wie Steinkohle, mit rötlichen Reflexen, eine besondere Heimatgeschichte im Glas. Und für ihn gehört genau das zum Bier dazu. Pils sucht man bei ihm vergeblich. Nicht aus Ablehnung, sondern aus Überzeugung. „Gute Pilsbiere gibt es überall.“ Ihn reizen obergärige, oft dunklere Biere, bei denen Hopfen und Hefe Charakter zeigen dürfen, gerne mit Anleihen an belgische Stile. Wichtig bleibt dabei die Trinkbarkeit. Und: er braut selten zweimal dasselbe Bier.

Vierter Platz mit einem Altbier

Wie er sagt, gibt es keine ausgeprägte Hobbybrauszene im Kreis Ahrweiler. „Danach sucht man vergeblich.“ Während Bonn sogar einen Verein hat, bleibt der Kreis Ahrweiler stark vom Wein geprägt. „Bier brauen verschwindet dort im Schatten der Reben“, schmunzelt er. Mit seinen Bieren zeigt er sich auf Wettbewerben, bei Verkostungen und als Aussteller auf der Bonner Brauschau. Wie er erzählt, gehört ein vierter Platz mit einem Altbier bei einem bundesweiten Hobbybrauer-Wettbewerb zu seinen Erfolgen. Dazu gesellt sich eine Ausbildung als Biersommelier. Sein Blick für Bier uns dessen Geschmack schärft sich für ihn bei regelmäßigem Austausch mit Kolleginnen und Kollegen.

Bier- ein komplexes Genussmittel

Wenn Menschen erfahren, dass Günter Paul sein Bier selbst braut, reagieren sie meist überrascht und interessiert. „Bier hat oft kein hohes Ansehen“, sagt er und ergänzt: „Es gilt als Durstlöscher, mehr nicht.“ Dass Bier ein komplexes Genussmittel und ein hervorragender Essensbegleiter sein kann, werde häufig unterschätzt. Doch genau da sieht er seine stille Mission: Aufmerksamkeit schaffen für das, was Bier leisten kann.

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