Der Mensch rast in die Zukunft – und schaut dabei aufs Handy
Lantershofen. Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Gentechnik: alles da. Nur der Überblick fehlt. Genau hier setzt Philipp Weber an. Mit seinem Programm „KI: Künstliche Idioten!“ liefert der vielfach ausgezeichnete Kabarettist eine ebenso kluge wie komische Standortbestimmung unserer Zeit – und trifft damit einen Nerv, der weit über den Kulturbetrieb hinausreicht .
Weber spricht vom Homo digitalis, der sich so tief über sein Smartphone beugt, dass er den aufrechten Gang gleich wieder verlernt. Einst fürchtete Onkel Heinz die Stasi – heute stellt er sich freiwillig Alexa ins Wohnzimmer. Fortschritt? Vielleicht. Bequem? Sicher. Harmlos? Ganz sicher nicht.
Was Weber von anderen unterscheidet, ist seine radikale Faktenlust. Der Mann ist examinierter Biologe und Chemiker, hat Germanistik, Geschichte, Psychologie, Medizin und Bioethik studiert – und klug genug wieder abgebrochen. Das Ergebnis: ein Universalgelehrter des Kabaretts, der Komik als wissenschaftliche Methode begreift .
In gut zwei Stunden schleudert Weber einen gedanklichen Tsunami durch Gegenwart und Zukunft. Er fragt: Ersetzt uns die Maschine – oder erlöst sie uns? Wird Arbeit abgeschafft? Wunderbar. Nur: Wann hätte der Mensch jemals etwas Sinnvolles getan, nur weil er Zeit hatte? Diese Sätze sitzen. Kurz. Klar. Unmissverständlich. Wolf Schneider hätte genickt.
Dabei folgt Weber unbewusst exakt dem, was Sprachpsychologe Hans Hörmann beschreibt: Er aktiviert Bilder, Erwartungen, emotionale Abkürzungen. Das Publikum denkt schneller, als es merkt – und lacht genau dort, wo es eigentlich weh tut. Der Humor funktioniert nach dem Handwerk von John Vorhaus: klare Prämissen, überraschende Brüche, präzise Pointen. Keine Gagsammlung, sondern ein geschlossenes System.
Die Kritiken sind entsprechend deutlich. Die Süddeutsche Zeitung spricht von körperlicher Erschöpfung vor Lachen und geistiger Erschöpfung vor Denken. Andere attestieren Weber prophetische Qualitäten – nur eben mit Pointe statt Pathos .
Und doch bleibt Hoffnung. Weber ist kein Kulturpessimist. Er ist ein Aufklärer mit Humor, überzeugt davon, dass Lachen die letzte funktionierende Verteidigungswaffe der Demokratie ist. Wenn wir schon nicht wissen, wo wir hinrennen – dann sollten wir wenigstens wissen, warum.
„KI: Künstliche Idioten!“ ist kein Kabarettabend. Es ist ein intelligenter Realitätscheck. 17. Januar, Winzerverein Lantershofen, Beginn: 20 Uhr; Einlass: 19 Uhr; Tickets hier
