Marienthal gewinnt bundesweiten Energiepreis
Marienthal. Aus der Flutkatastrophe von 2021 ist in Marienthal ein Zukunftsprojekt entstanden. Der Hochwasserhilfeverein Marienthal hat den erstmals vergebenen „Zukunftspreis Deutsche Energie 2026“ gewonnen. Die Auszeichnung würdigt ein Energiekonzept, das Klimaschutz, Wiederaufbau und Dorfgemeinschaft verbindet. Der gemeinnützige Verein Heimatwurzeln hatte bundesweit Kommunen, Unternehmen und Initiativen aufgerufen, ihre Energiekonzepte einzureichen. Mehr als 40 Bewerbungen gingen ein, neun Projekte wurden nominiert. Drei erhielten schließlich einen ersten Preis – darunter Marienthal im Kreis Ahrweiler.
Nahwärme statt alter Strukturen
Nach der Flut entschieden sich die Bewohner, nicht einfach den früheren Zustand wiederherzustellen. Sie entwickelten eine neue Infrastruktur für ihren Ort. Entstanden sind ein Nahwärmenetz mit Pelletsheizung, Solarthermie, Photovoltaikanlagen und Energiespeicher. Auch Wasserleitungen, Glasfaser und Straßenbeleuchtung wurden erneuert. Nach Angaben der Preisverleiher arbeitet die Wärmeversorgung inzwischen nahezu CO₂-neutral. Unabhängig überprüfte Emissionsdaten nennt die Mitteilung allerdings nicht.
Mehr als ein Energieprojekt
Der Wiederaufbau beschränkte sich nicht auf technische Anlagen. Marienthal erhielt auch ein neues Dorfgemeinschaftshaus mit Spielplatz und Brunnen. Für Gisbert Knichwitz, der den Preis stellvertretend für den Hochwasserhilfeverein entgegennahm, steht deshalb der Nutzen für die Dorfgemeinschaft im Mittelpunkt. Der Ort soll insbesondere für junge Familien attraktiv bleiben.
7.000 Euro für den Preisträger
Die Auszeichnung wurde am 7. Oktober im Rahmen der zweiten Berliner Konferenz für Bürgerlichen Klimaschutz verliehen. Alle neun nominierten Organisationen erhielten jeweils 2.000 Euro für eine Veranstaltung. Die drei Erstplatzierten bekamen zusätzlich 5.000 Euro. Damit stehen dem Hochwasserhilfeverein Marienthal insgesamt 7.000 Euro Preisgeld zu. Neben Marienthal gewannen die Gemeinde Uckerland in Brandenburg mit einem Windwärmespeicher und die FTM-Service GmbH aus Linthe mit einem betrieblichen Energiekonzept.
Ein Vorbild für andere Flutorte?
Der Preis zeigt, welche Chancen der Wiederaufbau für eine moderne Energieversorgung eröffnet. Ob sich das Marienthaler Modell auf andere Orte übertragen lässt, hängt allerdings auch von Investitionskosten, Förderung und örtlichen Voraussetzungen ab. Zu den tatsächlichen Wärmepreisen, den Gesamtkosten und der langfristigen Wirtschaftlichkeit enthält die Mitteilung keine Angaben. Fest steht: Marienthal erhält bundesweite Anerkennung für einen Wiederaufbau, der weit über die Beseitigung der Flutschäden hinausgeht.
