744 Bürgerschützen feiern Patronatsfest
Ahrweiler. Wenn in Ahrweiler das Jahr noch jung ist, dann ist Patronatsfest bei den Ahrweiler Bürgerschützen. Nach langer Renovierung fand der Gottesdienst zum Patronatsfest der Sankt Sebastianus Bürgerschützen-Gesellschaft Ahrweiler 1403 e.V erstmals wieder in der Pfarrkirche St. Laurentius statt. Ein sichtbares Zeichen für den fortschreitenden Wiederaufbau des Ahrtals. Nach dem Gottesdienst ging das Fest im Bürgerzentrum, vis à vis der Pfarrkirche gelegen, weiter, mit dem Gedenken an die Verstorbenen des vergangenen Jahres.
Hauptmann Jürgen Knieps setzt besondere Akzente

In seinem „Einstiegsimpuls“ setzte Hauptmann Jürgen Knieps einen besonderen Akzent. Er stellte die unbequeme Frage, ob persönliche Freiheit, auch postuliert in der Nationalhymne, heute tatsächlich noch als selbstverständlich gelten könne. Eindrücklich schilderte er seine Erfahrungen aus einer China-Reise, bei der er staatliche Überwachung, Einschränkungen der Religionsausübung und massive Eingriffe in die persönliche Freiheit aus nächster Nähe erlebt habe. Besonders bewegend für ihn war die Begegnungen mit Menschen, die trotz drohender Sanktionen zu ihrem Glauben und ihren Überzeugungen stehen. Diese Erfahrungen, so der Hauptmann, hätten ihm vor Augen geführt, wie fragil Freiheit sein könne und wie sehr sie verteidigt werden müsse, auch in demokratischen Gesellschaften. Dabei zitierte er Rosa Luxemburgs bekannten Satz von der „Freiheit des Andersdenkenden“ und mahnte Respekt, Anstand und Würde im gesellschaftlichen Umgang an. Wegschauen, so seine klare Botschaft, sei keine Option weder für den Einzelnen noch für die Gemeinschaft der Bürgerschützen .
Ein König, der den Alltag kennt
Für den amtierenden Schützenkönig Dieter Zimmermann war es das erste Patronatsfest als regierende Majestät. In seinem Grußwort sprach er nicht von Glanz, sondern von Verantwortung: von Besuchen bei Jubilaren, Beerdigungen, Sitzungen und Terminen, von Freud und Leid. „Königsein“, so Zimmermann, „bedeutet vor allem Präsenz und Wertschätzung.“ Engagement im Verein sei für Zimmermann auch gelebte Demokratie.
744 Bürgerschützen – so stark wie nie zuvor

Mit der Aufnahme von 16 neuen Schützenbrüdern zählt die Gesellschaft nun 744 Mitglieder, so viele wie nie zuvor. Das Unterleutnantsglied nahm Sergej Mitkin, Bastian Schick, Thorsten Schmitt und Sebastian Walter auf. In das Leutnantsglied traten Jan Großgarten und Peter Kouchen ein und in das Oberleutnantsglied Marcell Monleon-Lauter. Michael Antonio da Costa Ferreira verstärkt das Jägercorps. In das Elitecorps wurden Benedikt Appel, Severin Geschier und Kilian Becker-Sporon aufgenommen. In das Fähnrichsglied wurden Christoph Eudenbach, Udo Eudenbach und Eric Gramstat aufgenommen.
Andre´ Assenmacher, Nils Henscheid und Daniel Till sind die Neuzugänge im Tambourcorps. Ebenso geehrt wurden langjährige Schützenbrüder für 40, 50 und 60 Jahre Mitgliedschaft.

Vor 40 Jahren sind in die Gesellschaft eingetreten: Albert Becker und Ludwig Dietenhofer aus dem Fähnrichsglied, Franz-Josef Dievernich und Theo Wurms aus dem Oberleutnantsglied, Werner Schomburg und Karl-Heinz Unger aus dem Unterleutnantsglied sowie Volker Syre aus dem Leutnantsglied.
Vor 50 Jahren traten die Schützenbrüder Willi Förster und Bernd Kohlhaas aus dem Hauptmannglied, Winfried Gies, Kurt Pantenburg und Hans-Adolf Sonntag aus dem Elitecorps sowie Ernst Hehle aus dem Königsglied in die Gesellschaft ein.
Seit 60 Jahren ist Gregor Steinborn aus dem Königsglied Mitglied der Schützengesellschaft.
Ein Preußenkönig und der erste Schuss

Der Festvortrag von Chronist Matthias Becker thematisierte ein besonderes Kapitel Ahrweiler Geschichte: Friedrich Wilhelm IV. von Preußen, ist seit 1833 eingetragenes Mitglied der Bürgerschützen. Bei einem Aufenthalt in Ahrweiler wurde er Bürgerschütze und blieb der Gesellschaft auch als König eng verbunden. Nach einem schweren Böllerunfall setzte er sich 1843 erfolgreich für die Wiederzulassung des traditionellen Salutschießens ein und stiftete der Gesellschaft eine bis heute bedeutende Huldigungsmedaille. Als Dank für königliche Unterstützung durfte der Hauptmann fortan beim Königsvogelschießen den ersten Schuss abgeben – eine Tradition, die bis heute gilt. Und die goldene Huldigungsmedaille des Monarchen ziert noch immer die Amtskette des Hauptmanns .
