Barweiler: Eine Lilie, die seit Jahrhunderten Hoffnung trägt
Barweiler. Manche Geschichten überdauern nicht deshalb Jahrhundert um Jahrhundert, weil sie laut erzählt werden. Sondern weil Menschen sie weitertragen. Zu Fuß, im Gebet, in der Erinnerung. In Barweiler geschieht das seit 300 Jahren. Vom 5. September bis 4. Oktober steht der traditionsreiche Marienwallfahrtsort im Kreis Ahrweiler im Zeichen eines außergewöhnlichen Jubiläums: Die Wallfahrt zur „Muttergottes mit der Lilie – Königin des Friedens“ blickt auf drei Jahrhunderte zurück. Das Leitwort des Jubiläums bringt zusammen, was Generationen von Pilgern mit Barweiler verbinden: „300 Jahre Gemeinschaft, Hoffnung, Dankbarkeit“. Die Pfarrei Adenauer Land erwartet während der Wallfahrtszeit zahlreiche Pilgergruppen, die zu Fuß, mit Bussen oder Autos nach Barweiler kommen. Vor allem an den Wochenenden muss deshalb im Ort mit einem erhöhten Verkehrs- und Parkaufkommen gerechnet werden.
Das Lilienwunder von 1726 steht am Anfang
Der Ursprung der Wallfahrt führt zurück ins Jahr 1726. Mädchen aus Barweiler schmückten damals im Sommer die Pfarrkirche und legten der Marienstatue eine Lilie in die rechte Hand. Die Blume verwelkte. Doch im September, in zeitlicher Nähe zum Fest Mariä Geburt am 8. September, begann der verdorrte Stängel der Überlieferung zufolge wieder zu grünen. Das Geschehen, das als Lilienwunder bekannt wurde, soll sich in den beiden folgenden Jahren wiederholt haben. Das Wunder wurde kirchlich untersucht und anerkannt. In der Folge entwickelte sich Barweiler zum Wallfahrtsort. Im Pfarrarchiv finden sich nach Angaben der Pfarrei Berichte über Heilungen und Gebetserhörungen. Auch der Pastorale Raum Adenau-Gerolstein beschreibt Barweiler heute als bedeutenden Gnadenort der Eifel. Aus einer Lilie wurde damit eine Geschichte, aus der Geschichte eine Wallfahrt – und aus der Wallfahrt eine Tradition, die nun ihr 300-jähriges Bestehen feiert.
Bischof Stephan Ackermann eröffnet das Jubiläum
Den festlichen Auftakt bildet am Sonntag, 6. September, um 10.30 Uhr ein Pontifikalamt mit dem Trierer Bischof Dr. Stephan Ackermann.
Während der September-Wochenenden prägen regelmäßige Gottesdienste die Wallfahrt. Samstags beginnt um 18 Uhr die Vorabendmesse. Sonntags folgen um 7 Uhr die Frühmesse, um 10.30 Uhr das Hochamt und um 15 Uhr die Pilgerandacht. Am Abend wird der Barmherzigkeitsrosenkranz mit eucharistischem Segen gebetet. Zum Jubiläum gibt es zudem ein neues Wallfahrtslied und ein neues Wallfahrtsgebet. Während der gesamten Wallfahrtszeit zeigt die Wallfahrtskirche eine Ausstellung zur Geschichte der Barweiler Wallfahrt.
Lichterprozession, Frauen-Wallfahrt und „Blüte des Glaubens“
Das Jubiläumsprogramm setzt mehrere besondere Akzente. Am 9. und 30. September werden jeweils um 15 Uhr Pilgermessen mit Einzelsegen gefeiert. Der Fatima-Abend am 11. September beginnt um 18.30 Uhr und ist mit einer Lichterprozession verbunden. Am 16. September steht die Frauen-Wallfahrt auf dem Programm. Um 13.30 Uhr beginnt ein Pilgerinnenweg an der Kita, um 15 Uhr folgt die Eucharistiefeier; anschließend ist eine Begegnung bei Kaffee und Kuchen vorgesehen. Am 23. September um 15 Uhr trägt eine weitere Pilgermesse den Titel „Blüte des Glaubens“ und nimmt die Madonnenlilie in den Blick.
Die sonntäglichen Pilgerandachten um 15 Uhr greifen zentrale Gedanken des Jubiläums auf. Gastpredigerinnen und Gastprediger widmen sich den Themen Frieden, Gemeinschaft, Hoffnung und Dankbarkeit. Das offizielle Programm des Pastoralen Raums bestätigt diese besonderen Wallfahrtstage.
„Königin des Friedens“ – ein Titel mit aktueller Bedeutung
Die Geschichte der Wallfahrt blieb über die Jahrhunderte nicht stehen. Seit 1994 trägt die Marienverehrung in Barweiler ausdrücklich den Titel „Unsere liebe Frau mit der Lilie – Königin des Friedens“. Nach Angaben des Pastoralen Raums wurde diese Erweiterung durch Friedensgebete während der Jugoslawienkriege angestoßen. Damit rückte das Anliegen des Friedens stärker in den Mittelpunkt.
Gerade im Jubiläumsjahr bekommt dieser Gedanke besonderes Gewicht. Denn die Barweiler Wallfahrt verbindet eine jahrhundertealte religiöse Überlieferung mit Fragen, die keineswegs historisch geworden sind: Wo finden Menschen Hoffnung? Was trägt Gemeinschaft? Und wie lässt sich die Sehnsucht nach Frieden bewahren?
Vielleicht liegt darin ein Teil der Erklärung dafür, weshalb Menschen nach 300 Jahren noch immer nach Barweiler pilgern.
Abschluss am 4. Oktober
Vier Wochen nach dem Beginn endet die Jubiläumswallfahrt offiziell am Sonntag, 4. Oktober. Um 15 Uhr wird die feierliche Eucharistie gefeiert. Anschließend ist ein Beisammensein mit Kaffee und Kuchen im Gemeindehaus vorgesehen.
Pilgergruppen können sich vorab bei der Pfarrei anmelden. Weitere Informationen und das vollständige Programm unter Pastorale Raum Adenau-Gerolstein – Barweilerwallfahrt.
Dreihundert Jahre nach dem überlieferten Lilienwunder wird Barweiler damit erneut für vier Wochen zum Ziel vieler Menschen. Was 1726 mit einer verdorrten und wieder erblühten Lilie begann, ist längst mehr als eine Episode der Ortsgeschichte.
