Am kommenden Sonntag: Ein Riesen-Kritzelblock in Remagen

Rolandseck. Normalerweise gilt in Museen die eiserne Regel: Anschauen ja, Anfassen verboten – und um Himmels willen bloß nichts anmalen! Am Arp Museum Bahnhof Rolandseck dreht das Team den Spieß um. Statt ehrfurchtsvoll vor vergoldeten Rahmen zu erstarren, dürfen Besucherinnen und Besucher selbst zum Stift greifen und Striche hinterlassen. Der Anlass ist ein internationales Kunstspektakel: Das weltweite Projekt „Social Mapping“ des kolumbianischen Künstlers Oscar Murillo macht Station in Rolandseck – als einziger Stopp in ganz Rheinland-Pfalz.
Vom Vorplatz am Rhein direkt ins Museum nach Potsdam
Die Idee klingt denkbar einfach, entfaltet aber enorme Wirkung: Auf dem Museumsvorplatz rollt das Team eine riesige leere Leinwand aus. Ob Edding, Buntstift, Bleistift oder Kugelschreiber – das Material liegt bereit. Wer vorbeikommt, setzt sich einfach dazu und zeichnet, skizziert oder kritzelt, worauf er gerade Lust hat. Das Ganze ist keineswegs reine Zeitvertreib-Malerei für den Sonntagnachmittag. Sobald die Mal-Aktion am Sonntag, 26. Juli (15 bis 17 Uhr) beendet ist, packt das Museum die fertigen Stoffe ein und schickt sie nach Potsdam. Dort wandern die „Remagener Striche“ direkt in die Ausstellung „Kollektive Osmose“ im Kunsthaus Das Minsk. Das Besondere: Die Potsdamer Besucher betrachten die Werke nicht nur, sondern greifen ihrerseits wieder zu den Stiften und zeichnen auf den Leinwänden weiter. So verbinden sich die Spuren aus Marrakesch, Remagen und Potsdam zu einem einzigen, weltumspannenden Kunstwerk.
Gemeinschaftsgeist ohne Altersgrenze
„Es ist schön, dass ein weltweites Projekt auch in Rheinland-Pfalz Halt macht. Das Arp Museum Bahnhof Rolandseck ist dafür der ideale Ort“, freut sich Museumsdirektorin Dr. Julia Wallner über die Aktion. Schließlich bringt das Haus im hauseigenen Arp Labor seit Jahren Menschen jeden Alters zusammen, um gemeinsam kreativ zu werden. Hinter dem sperrigen Begriff der „Osmose“ steckt in der Wissenschaft der Ausgleich von Flüssigkeiten. Oscar Murillo nutzt dieses Bild für das Museum: Kunst soll keine geschlossene Gesellschaft sein, sondern durchlässig werden – zwischen Innen und Außen, zwischen der Region und der Welt.
Einfach vorbeikommen und mitmachen
Wer Teil dieses weltweiten Kunstwerks werden möchte, braucht weder Vorkenntnisse noch ein Kunststudium – nicht einmal einen eigenen Stift.
- Wann? Freitag, 24. Juli (14 – 17 Uhr) und Sonntag, 26. Juli (15 – 17 Uhr)
- Wo? Museumsvorplatz Arp Museum Bahnhof Rolandseck
- Kosten? Die Teilnahme ist komplett kostenlos, Stifte und Unterlagen stellt das Museum vor Ort. Jeder Jahrgang ist willkommen!
