Heimat. Herz. Höhepunkte.
Digitale Heimat für den Kreis Ahrweiler.

action medeor zieht Bilanz

Hausärztin Dr. Stefanie Nacke (3. von links) und ihr Team konnten ihre Praxisräume in Altenahr inzwischen wieder beziehen.
5 Jahre Flutkatastrophe im Ahrtal: Hilfswerk action medeor zieht Bilanz. Von der Not-Apotheke im Container zur neuen Tagespflege. Alle Fakten & Ergebnisse.

Wie action medeor das Ahrtal wieder heilte

Ahrtal. Fünf Jahre nach der Hochwasserkatastrophe zieht das Medikamentenhilfswerk action medeor Bilanz seiner Hilfe im Ahrtal. Mit vier Millionen Euro, Ausdauer und Pragmatismus schaffte die Organisation Strukturen, wo verbrannte Erde war – von der Not-Praxis in Kalenborn bis zur Tagespflege in Liers. Ein Rückblick auf fünf Jahre Hilfe, die wiederkam und blieb. Es war eine Premiere aus Notwendigkeit: Im Juli 2021 wurde das Deutsche Medikamentenhilfswerk action medeor erstmals in seiner Geschichte im eigenen Land aktiv. Wo sonst Katastrophengebiete im Ausland versorgt werden, verlangten plötzlich die zerstörten Ufer der Ahr nach sofortiger Hilfe. Es begann mit Wasserentkeimungstabletten, Notstrom und Schutzkleidung. Es endet – fünf Jahre später – mit dem erfolgreichen Wiederaufbau eines medizinischen und sozialen Netzwerks.

Vom Containerdorf zum seelischen Rettungsanker

„Die Flut hat nicht nur Häuser, Straßen und Brücken zerstört, sondern auch gewachsene Versorgungsstrukturen im Gesundheitsbereich“, fasst Sid Peruvemba, Vorstandssprecher von action medeor, die Ausgangslage zusammen. Das Ziel der Tönisvorster Organisation war klar formuliert: Nicht nur Pflaster verteilen, sondern die Handlungsfähigkeit der Menschen und Organisationen vor Ort dauerhaft sichern. Ein Paradebeispiel für diesen pragmatischen Ansatz entstand im beschaulichen Kalenborn. Gemeinsam mit den Apothekern ohne Grenzen errichtete action medeor eine Containeranlage. Sie wurde zur neuen Heimat für die hausärztliche Praxis von Dr. Stefanie Nacke und die Burg-Apotheke von Inge Göttling, nachdem deren Räume in Altenahr von den Wassermassen völlig vernichtet worden waren. Dr. Stefanie Nacke, Hausärztin: „Ich hätte ohne diese Hilfe nie so schnell die hausärztliche Versorgung wieder aufnehmen können. Die Praxis war für viele Menschen der erste und oft einzige Ansprechpartner bei medizinisch-somatischen und psychischen Problemen.“

Apothekerin Inge Göttling (3. von links) und ihr Team betrieben die Burg Apotheke in der Übergangszeit in den Containern in Kalenborn.
Apothekerin Inge Göttling (3. von links) und ihr Team betrieben die Burg Apotheke in der Übergangszeit in den Containern in Kalenborn.

Auch Apothekerin Inge Göttling, die mittlerweile in Ahrbrück neue Räumlichkeiten bezogen hat, erinnert sich mit Dankbarkeit an die schnelle Hilfe: „Wir konnten ab Tag eins arbeiten und die Bevölkerung ordnungsgemäß mit Arzneimitteln versorgen. Ohne action medeor hätten wir niemals ohne Unterbrechung tätig sein können.“

Doch die Not wandelte sich mit der Zeit. Als der erste physische Reorganisationsdruck nachließ, brach sich die seelische Erschöpfung Bahn. Wut, Traumata, Depressionen und Ängste wurden zum Begleiter vieler Flutopfer – verstärkt durch jahrelange Bürokratie und Dauerbelastung. Die Hilfe reagierte dynamisch: Nachdem Praxis und Apotheke umgezogen waren, wurden die Container in Kalenborn umgebaut – zur Oase für psychotherapeutische Angebote.

Ein „großes Glück“ für Liers: Tagespflege statt Baufälligkeit

Besonders hart traf die Katastrophe die Schwächsten: ältere und pflegebedürftige Menschen. Früh förderte action medeor mobile Pflegeangebote, Seniorennachmittage und einen Übergangsstützpunkt der Sozialstation Adenau-Altenahr. Aus dieser Anschubhilfe erwuchs ein bleibendes Wiederaufbauprojekt: Die neue Tagespflegeeinrichtung „Mittendrin“ in Hönningen-Liers. Wo vor kurzem noch ein baufälliges Wohnhaus den Blick versperrte, bietet heute eine moderne Einrichtung Platz für 16 Tagespflegegäste. Sie entlastet pflegende Angehörige und gibt Senioren ein Stück Gemeinschaft zurück. Uwe Szymanski, Leiter der Sozialstation Adenau-Altenahr, bringt es auf den Punkt: „Ein großes Glück für die Menschen hier in der Region. Die Einrichtung ist eine dringend benötigte Entlastung und verbessert die pflegerische Versorgung nachhaltig.“

Breites Spektrum: Von Straßenlaternen bis zum Sportverein

Rund vier Millionen Euro flossen über action medeor in die Hochwasserregionen Westdeutschlands, finanziert aus Spendengeldern – unter anderem aus dem Bündnis Aktion Deutschland Hilft. Neben den Großprojekten im Ahrtal reichte das Engagement bis in kleinste Details:

  • Notfallausrüstung & Infrastruktur: Medizinisches Material, Entkeimungstabletten sowie solarbetriebene Straßenbeleuchtungen für zerstörte Orte wie Dernau und Rech.
  • Krisensteuerung: Einrichtung von Multifunktionsräumen für Krisenstäbe, psychosoziale Betreuung und Begegnung.
  • Pflege & Mobilität: Unterstützung für Seniorennachmittage, häusliche Pflege und Mobilität der Sozialstation Adenau-Altenahr.
  • Jugend & Sport: Förderung von Sport- und Bewegungsangeboten für Kinder und Jugendliche, unter anderem in Mayschoß, Trier-Ehrang und Eschweiler.

Abschied nach fünf Jahren: Auftrag erfüllt

Mit der Übergabe der letzten Projekte schließt action medeor nun das Kapitel seiner Hochwasserhilfe in Deutschland. Der Ansatz, Akuthilfe, Übergangslösungen und nachhaltige Wiederaufbauprojekte miteinander zu verzahnen, hat sich als tragfähig erwiesen. „In der ersten Phase ging es darum, Versorgungslücken schnell zu schließen. Danach haben wir geschaut, wo Strukturen dauerhaft gestärkt werden können“, resumiert Vorstandssprecher Sid Peruvemba. „Nach fünf Jahren können wir sagen: Die Projekte sind abgeschlossen oder in stabile Strukturen überführt. Damit endet für action medeor die Hochwasserhilfe in Deutschland. Wir sind tief dankbar für das Vertrauen der Spenderinnen und Spender, die diesen Weg möglich gemacht haben.“

Für das Ahrtal bleibt mehr als nur die Erinnerung an eine schwere Zeit: Es bleiben wiederaufgebaute Praxen, therapeutische Anlaufstellen und eine Tagespflege, die den Namen „Mittendrin“ zu Recht trägt.

Ähnliche Artikel

Am kommenden Sonntag startet Kim Irmgartz bei der ADAC Geländefahrt in Kempenich.

Kim Irmgartz gibt Gas!

52 Kilometer, zwei Cross-Prüfungen und eine prominente Starterin aus dem Kreis Ahrweiler: Bei der 74. Mittelrheinischen ADAC Geländefahrt am Sonntag, 25. Oktober, wird es für Kim Irmgartz besonders spannend. Die erfolgreiche Motocrossfahrerin wagt sich in ihrer Heimatregion auf ungewohntes Terrain. ...
Bürgermeister Andreas Geron, Museumsleiter Gabriel Heeren und GEWI-Geschäftsführerin Sofia Lunnebach (v.l.) bei der Eröffnung der neuen Ausstellung im Museum Schloss Sinzig.

Neue Sinziger Ahrbrücken

Wie werden die neuen Ahrbrücken aussehen? Und wie sollen sie künftig Hochwasser besser standhalten? Fünf Jahre nach der Flutkatastrophe gibt eine neue Ausstellung im Museum Schloss Sinzig Einblicke in die Planungen für vier Brückenbauwerke. Dabei geht es auch um den ...
Das Ahrtal macht sich bereit für fünf Tage Musik, Wein und jede Menge gute Laune! 2027 feiert das Festival Kultur und Wein seinen 20. Geburtstag. Und die Gästeliste kann sich sehen lassen. Von kölschem Humor bis zur großen Rockshow ist einiges dabei.

Kölsch, Krebs & Knallblech

Fünf Tage, vier große Programmpunkte und ein runder Geburtstag: Das Festival „Kultur und Wein im Ahrtal“ feiert 2027 sein 20-jähriges Bestehen. Vom 26. bis 30. Mai verwandelt sich die WeinKulturBühne in Dernau in einen Treffpunkt für Musikfans, Partygänger und Freunde ...

Hervorgehobene Beiträge:

Doch auf der Freilichtbühne Schuld entsteht bereits eine märchenhafte Welt für den Sommer 2026. Die Vorbereitungen für „Aladin und die Wunderlampe“ in Schuld gehen jetzt in die heiße Phase.

Wunderlampe in Schuld

Mit „Aladin und die Wunderlampe“ bereitet sich das Schauspiel-Ensemble in Schuld auf eine Spielzeit vor, die erneut zahlreiche Besucherinnen und Besucher an die bekannte Waldbühne locken dürfte. ...
Vom Steinbruch ins Herz: Warum der Museumstag in Weibern so viele bewegte.

Museumstag in Weibern

In Weibern zeigte sich am vergangenen Sonntag, dass gerade die kleinen Museen die größten Geschichten erzählen. Im Tuffsteinmuseum im ehemaligen Bahnhof wurde Geschichte nicht nur erklärt, sie wurde quasi lebendig. ...
Deine Zukunft beginnt hier! Über 20 Betriebe, persönliche Gespräche und gute Einblicke: Komm am 12. Mai zur Berufsinfomesse in Adenau und finde Deinen Weg!

Aussichten zum Anfassen

Adenau wird am 12. Mai erneut zum Treffpunkt für Zukunftsfragen junger Menschen: Die Hocheifel Realschule plus mit Fachoberschule lädt ab 18 Uhr zur Berufsinformationsmesse ein ...