Sinzig erinnert an dunkle Zeiten – und blickt nach vorn!
Sinzig. „Shalom“ und „Frieden“. Zwei Worte, eine Botschaft. Sie stehen im Mittelpunkt des neu gestalteten jüdischen Mahnmals in der Rheinstraße in Sinzig. Der Erinnerungsort soll die Geschichte der jüdischen Gemeinde und das Schicksal der Opfer nationalsozialistischer Verfolgung im Bewusstsein halten. Zugleich setzt er ein Zeichen gegen Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit. Am Sonntag, 8. November 2026, um 14 Uhr laden die Stadt Sinzig und das Bürgerforum Sinzig zu einer Feier- und Gedenkstunde am Mahnmal ein. Das Datum ist bewusst gewählt: Einen Tag später jährt sich die Reichspogromnacht vom 9. November 1938.
Aus dem Mahnmal wird ein Friedensmal
Der Sinziger Künstler Titus Reinarz hat dem Erinnerungsort eine neue Gestalt gegeben. Bereits das ursprüngliche Mahnmal stammte von ihm.
Auf der Straßenseite stehen nun Stahlplatten. Ein Durchgang zwischen ihnen gibt den Blick auf das bestehende Mahnmal frei. Im oberen Drittel der Platten verläuft ein Schriftzug, der das hebräische Wort „Shalom“ vom ursprünglichen Denkmal aufgreift und um das deutsche Wort „Frieden“ ergänzt.
Die Gestaltung verbindet das Gedenken an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus mit einem weiter gefassten Friedensgedanken. Sie soll auch die Erinnerung an weitere Opfer stärken und für Toleranz, Menschlichkeit und ein respektvolles Miteinander werben.
Sinziger Bürgerforum hält die Erinnerung wach
Hinter der Neugestaltung steht eine Initiative der Projektgruppe Erinnerungskultur des Bürgerforums Sinzig. Ihr Engagement reicht Jahre zurück. Bereits 2018, zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht, lud die Gruppe zu einem sogenannten Stolpergang ein. Weitere Rundgänge folgten. Sie sollten die Erinnerung an die jüdische Geschichte Sinzigs wachhalten und das Bewusstsein für die Vergangenheit stärken. Inzwischen wurden in Sinzig auch Stolpersteine verlegt. Die kleinen Gedenksteine erinnern an Menschen, die während der nationalsozialistischen Herrschaft verfolgt wurden. Auch der Sinziger Stadtrat stimmte der Neugestaltung des Mahnmals zu.
Corona und Flut verzögerten das Projekt
Bis aus der Idee Wirklichkeit wurde, vergingen mehrere Jahre. Zunächst verzögerte die Corona-Pandemie das Vorhaben. Dann kam die Flutkatastrophe im Juli 2021. Inzwischen sind die Arbeiten am Mahnmal weitgehend abgeschlossen. Lediglich die abschließende Bepflanzung der Grünfläche steht noch aus. Sie soll zeitnah erfolgen. Für die Umsetzung standen LEADER-Fördermittel der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Rhein-Ahr zur Verfügung.
Erinnerung an 1938 – Verantwortung für heute
Die Gedenkstunde am 8. November steht in unmittelbarem Zusammenhang mit der Reichspogromnacht vom 9. November 1938. Damals richtete sich die nationalsozialistische Gewalt gegen jüdische Menschen und Einrichtungen. Das neu gestaltete Mahnmal soll daran erinnern, wohin Ausgrenzung, Hass und Verfolgung führen können. Doch der Blick richtet sich nicht allein zurück. Angesichts heutiger fremdenfeindlicher Tendenzen soll das Friedensmal auch ein sichtbarer Appell an die Gegenwart sein.
Gedenkstunde am 8. November in Sinzig
Die Stadt Sinzig und das Bürgerforum Sinzig laden alle interessierten Bürgerinnen und Bürger ein, am Sonntag, 8. November, gemeinsam innezuhalten und der Opfer zu gedenken. Die Feier- und Gedenkstunde beginnt um 14 Uhr am jüdischen Mahnmal in der Rheinstraße. Dabei soll ein Zeichen für eine lebendige Erinnerungskultur, für Toleranz und ein friedliches Zusammenleben gesetzt werden.
